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Blutdruck

Schlechte Blutdruckwerte bereiten vielen Menschen Probleme. Vor allem ein hoher Blutdruck kann schwerwiegende Folgen für die Betroffenen haben. Wer die Einflussfaktoren und Handlungsmöglichkeiten kennt, kann diese Erkrankung in nicht wenigen Fällen wirkungsvoll bekämpfen.

Was ist unter Blutdruck zu verstehen?

Als Blutdruck wird der Druck verstanden, der in bestimmten Abschnitten des kardiovaskulären Systems – allen voran in den Blutgefäßen – herrscht. Im klinischen Sprachgebrauch wird damit in der Regel der arterielle Blutdruck in den großen Arterien bezeichnet. Der Blutdruck soll den Blutkreislauf im Körper aufrecht erhalten und auf diese Weise die Versorgung unseres Organismus mit Sauerstoff sicherstellen. Schließlich wird der Sauerstoff aus den Lungenalveolen über das Blut in die Körperzellen geleitet. Die Messung des Blutdrucks, welcher in der Regel in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) ermittelt wird, kann in unterschiedlichen Abschnitten des Gefäßsystems erfolgen. Neben dem arteriellen Blutdruck ist klinisch auch der Blutdruck in folgenden Gefäßabschnitten relevant:

  • Kapillärer Blutdruck: Druck in der Endstrombahn der Blutkapillaren. Als Blutkapillaren werden die feinsten Verästelungen von Venen und Arterien verstanden.
  • Zentralvenöser Druck: Druck im zentralen Venensystem
  • Pfortaderdruck: Druck in der Vena portae (Lebervenenverschlussdruck). Die Pfortader ist für den Transport von nährstoffreichem, sauerstoffarmem Blut in die Leber zuständig.
  • Pulmonalarteriendruck: Druck in der Arteria pulmonalis (Lungenarterie), welche den Transport von sauerstoffarmem Blut in die Lunge übernimmt.

Wie sich der Blutdruck zusammensetzt

Der arterielle Blutdruck setzt sich aus zwei Werten zusammen, dem systolischen (ersten) sowie dem diastolischen (zweiten) Wert. Bei einem gesunden Menschen liegt der Blutdruck bei rund 120/80 mmHg, wobei die erste Zahl den systolischen und die zweite Zahl den diastolischen Druck bezeichnet. In der Medizin wird als Systole die Auswurfphase des Herzens verstanden. Im Rahmen dieses Prozesses zieht sich die linke Herzkammer zusammen und das Blut wird in die Aorta (Hauptschlagader) gepumpt. Aus der rechten Herzkammer gelangt zugleich das Blut in den Lungenkreislauf. Zu diesem Zeitpunkt ist der Blutdruck am höchsten. Mit der Diastole verhält es sich anders. Diese soll die Entspannungsphase der Herzkammern bezeichnen – also die Füllphase des Herzens. In einer solchen Phase erweitern sich die Herzkammern, damit neues Blut hineinströmen kann. In diesem Moment ist der Blutdruck am niedrigsten. Dies erklärt, weshalb der systolische grundsätzlich über dem diastolischen Wert liegt. Der Mittelwert aus systolischem und diastolischem Druck wird übrigens als Mitteldruck bezeichnet und steht als Maß für die Qualität der Organdurchblutung.

Wodurch der Blutdruck beeinflusst wird

Der Blutdruck wird aus einem Netzwerk aus Gehirnstrukturen, Hormonen und Nerven geregelt. Demzufolge ist es völlig normal, dass die Werte kurzfristig – jedoch nur in relativ engen Grenzen – schwanken können, etwa durch:

Schwangerschaft

Oftmals sinkt der Blutdruck in den ersten beiden Trimestern, zumal das Schwangerschaftshormon Progesteron die Wände der Blutgefäße entspannt. Schwindelgefühle sind oft die Folge. In den letzten Wochen vor der Geburt kehrt der Blutdruck wieder zu den Werten von vor der Schwangerschaft zurück.

Sport

Unter Belastung steigt der systolische Blutdruck an, da das Herz stärker zu pumpen beginnt – allerdings nur während des Trainings. Hierbei gelten Werte von bis zu 190-220 mmHG als normal. Auf lange Sicht vermag moderater Ausdauersport den Blutdruck zu senken, das Herz zu stärken, die Gefäße elastisch zu halten und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zu senken.

Alter

Nicht nur das Alter, sondern auch der systolische Blutdruck steigt kontinuierlich an. Dies liegt überwiegend daran, dass die einst elastischen Gefäßwände unflexibler und starrer werden. Damit sinkt auch die Anpassungsfähigkeit der Gefäße an den Blutdruck. Zahlreiche ältere Menschen entwickeln deshalb mit fortschreitender Gefäßsteifigkeit eine isolierte systolische Hypertonie (ISH).

Gewicht

Fettleibigkeit (Adipositas) und Hypertonie stehen in einem engen Zusammenhang. Blutfette können zu Verkalkungen der Gefäßwände und so zu einer Überbeanspruchung des Herzens führen, welcher einen erhöhten Widerstand zu überwinden hat. Pro Kilo Gewichtsreduktion lässt sich der Blutdruck um 1,5 mmHg senken.

Rauchen

Durch das Rauchen kommt es zu Ablagerungen in den Arterien und zu einer Verengung der Herzkranzgefäße. Dies lässt den Blutdruck ansteigen und erhöht die Herztätigkeit.

Grün-/Schwarztee- sowie Kaffeekonsum

Die genannten Teesorten sowie Kaffee führen aufgrund ihres hohen Gehalts an Koffein bzw. Theobromin zu einer kurzfristigen, etwa zwanzig bis dreißig Minuten anhaltenden, individuell unterschiedlichen Erhöhung des Blutdrucks um etwa 10-20 mmHg.

Stress

Psychische Belastung führt zur Erregung des Symphatikus, weshalb das Herz schneller schlägt und der Blutdruck steigt.

Folgen eines zu hohen oder niedrigen Blutdrucks

Der medizinische Fachausdruck für einen erhöhten arteriellen Blutdruck ist Hypertonie. Umgekehrt bezeichnet eine Hypotonie einen erniedrigten arteriellen Blutdruck. Deutlich häufiger, gefährlicher und somit klinisch relevanter ist allerdings die Hypertonie. Schätzungsweise leiden 20 Mio. Deutsche unter Hypertonie, unter den Senioren (> 65 Jahre) wahrscheinlich sogar jeder Zweite. Referenzwerte für den systolischen und diastolischen Blutdruck liefert die Weltgesundheitsorganisation (WHO):

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Optimalkleiner als 120kleiner als 80
Normal120 – 12980 – 84
Normal bis hoch130 – 13985 – 89
Hypertonie mild (Stufe 1)140 – 15990 – 99
Hypertonie mittel (Stufe 2)160 – 179100 – 109
Hypertonie schwer (Stufe 3)ab 180ab 110

Durch einen zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck können einzelne Organe oder die Gefäßwände geschädigt werden. Bei einer Hypertonie muss die linke Herzkammer unter Dauerdruck arbeiten, was zu einer Verdickung ihrer Wände führen kann. Dies wiederum kann in eine Herzschwäche münden, so dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, die erforderliche Menge Blut durch den Körper zu pumpen. Auch Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) kommen häufig bei zu hohem Blutdruck vor, was das Risiko eine Schlaganfalls und Herzinfarkts erhöht. Netzhautschäden an den Augen sowie Nierenversagen können ebenfalls Folgeerkrankungen einer Hypertonie sein. Weit weniger schädlich ist hingegen die Hypotonie, die bei gesunden Menschen in der Regel nicht zu ernsthaften Gefäß- und Organschäden führt, sondern lediglich zu Begleiterscheinungen wie Schwindelgefühlen, anhaltende Müdigkeit oder aber auch Kollapszuständen.

Wie sich der Blutdruck von selbst reguliert

Grundvoraussetzung für eine Blutdruckregulation ist die Kontrolle durch sogenannte Barorezeptoren. Ihre Aufgabe besteht darin, den Blutdruck festzustellen und Signale an das Zentrale Nervensystem (ZNS) zu senden. Vorzufinden sind Barorezeptoren in größeren Arterien im Hals- und Brustbereich sowie in der Wand der Aorta. Registrieren die Rezeptoren einen veränderten Blutdruck aufgrund einer unterschiedlichen Dehnung der Gefäßwände, vermitteln sie diese Information an das verlängerte Mark (Medulla oblongata). Hier werden nun diverse Maßnahmen ergriffen, die langfristig oder aber auch nur kurzfristig wirken können. Eine kurzfristige Regulation wird mithilfe des Symphatikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems, vorgenommen. Dieser reduziert etwa seine Aktivität, wenn es zu einer Blutdrucksteigerung kommt. Eine mittelfristige Regulation wird erreicht, indem die Rezeptoren Einfluss auf die Aktivität der Niere nehmen. Bei einem Blutdruckabfall wird vermehrt Renin freigesetzt, was die Ausschüttung des Hormons Angiotensin II zur Folge hat. Dieses führt zu einer Verengung der Gefäße und sorgt für eine Steigerung des Blutdrucks. Die langfristige, zugleich aber trägste Maßnahme zur Regulation des Blutdrucks, stellt auf eine Änderung des Blutvolumens ab. Eine große Rolle spielt auch hier die Niere, da ihr die Kontrolle der Wassermenge obliegt, welche mit dem Urin ausgeschieden wird. Schießt der Blutdruck in die Höhe, wird vermehrt Wasser durch Druckdiurese (Erhöhung Urinmenge durch Anstieg des arteriellen Mitteldrucks) ausgeschieden, wodurch Blutvolumen und -druck sinken. Gefördert wird dies durch das ANP (Hormon zur Regulierung des Wasser- und Salzgehalts), welches im Urin durch den erhöhten Druck im Herzen ausgeschüttet wird. Bei einem Abfall des Blutdrucks, wird in der Niere die Rückresorption des Wassers mittels ADH (Molekül zur Regulation des Wasserhaushalts) erreicht.

So wird der Blutdruck bestimmt

Um den Blutdruck zu messen, muss nicht zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Mithilfe eines Blutdruckmessgerätes lassen sich systolischer sowie diastolischer Wert leicht auch zuhause ermitteln. Das Gerät soll die Geräusche in einer Arterie messen, welche das durchfließende Blut aufgrund der Pulswelle, die auf einen nachlassenden Kompressionsdruck trifft, erzeugt. Die beengte Strömung des Blutes führt zu Bewegungen sowie Turbulenzen der Gefäßwand. Der abklingende Kompressionsdruck ergibt sich dadurch, dass aus der zuvor aufgepumpten Manschette langsam der Druck abgelassen wird. Auf diese Weise weitet sich das zusammengepresste Gefäß wieder aus und lässt vermehrt Blut durch. Sämtliche Geräusche verschwinden, sobald die Schlagader völlig durchgängig ist. Um unverfälschte Werte zu erhalten, sollte zunächst eine Pause von mindestens drei bis fünf Minuten eingelegt werden, zumal jede noch so kleine Anstrengung den Blutdruck in die Höhe treiben könnte. Die Messung erfordert zunächst das Anbringen der Manschette um den Oberarm. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass sich der Messpunkt in etwa auf der gleichen Höhe wie das Herz befindet. Bei einer Messung am Oberarm ist dies jedoch zumeist automatisch der Fall. Seltener wird dies am Handgelenk vorgenommen, wobei in diesem Fall der Ellenbogen leicht auf einer Tischplatte abgestützt und der Unterarm etwas angehoben werden sollte. Sofern die Messung am Oberarm vorgenommen wird, sollte der Unterarm locker auf der Tischplatte aufliegen. Grundsätzlich kann der Blutdruck sowohl am linken wie auch am rechten Arm ermittelt werden, idealerweise jedoch an dem Arm, an dem dieser höher ist. Der Druck der Manschette presst das Gefäß zusammen, bis der angezeigte Druck etwa 20 mmHg über dem zu erwartenden Blutdruck liegt. Sobald der Druck abgelassen wird, zeigt der Manometer den systolischen Wert an. Der Druck beim letzten im Stethoskop hörbaren Ton entspricht hingegen dem diastolischen Wert. Für den Privatgebrauch bieten sich vollautomatische elektronische Blutdruckmessgeräte an, bei denen das Auf- und Abpumpen der Manschette von selbst erledigt wird. Die beste Zeit für eine Messung ist übrigens am Morgen, zumal hohe Blutdruckwerte zu dieser Zeit besonders gefährlich sind. Zudem ist es sinnvoll, die Messung vor sportlichen Aktivitäten, dem Bürostress oder der Einnahme von Medikamenten vorzunehmen.

Maßnahmen zur Senkung des Blutdrucks

Hierbei gibt es je nach Ausmaß der Hypertonie folgende Möglichkeiten:

  • Behandlung anderer Krankheiten, die sich negativ auf den Blutdruck auswirken
  • Ohne Medikamente, etwa durch eine Veränderung des Lebensstils (z.B. Stress abbauen, gesunde Ernährung, mehr Sport)
  • Mit Medikamenten, etwa sogenannte Blutdrucksenker. Beispiele hierfür sind folgende Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen:
    • Kalziumantagonisten
    • Sartane
    • ACE-Hemmer
    • Betablocker
    • Diuretika

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