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Blutdruck richtig messen

Menschen mit Bluthochdruck leisten mit regelmäßiger Selbstmessung und Dokumentation einen wichtigen Beitrag zur individuellen Behandlung ihrer Krankheit. Viele Einzelmessungen sind bedeutend aussagekräftiger als eine einzelne Messung beim Arzt. Mit modernen Blutdruck-Messgeräten ist das exakte Messen heute kaum mehr ein Problem. Allerdings sind dabei einige wichtige Dinge zu beachten.

Das richtige Blutdruck-Messgerät auswählen

Alle im Handel befindlichen Geräte sind heute geeicht. Trotzdem misst nicht jedes Gerät bei jedem Mensch den Blutdruck wirklich genau. Die größte Sicherheit bieten Blutdruck-Messgeräte, die das Prüfsiegel der Deutschen Blutdruckliga besitzen. Besonders sorgfältig sollte die Auswahl erfolgen, wenn beim Bluthochdruckpatienten Herzrhythmusstörungen bekannt sind, weil sich dann die Blutdruckhöhe von Schlag zu Schlag verändern kann. Geräte mit sogenannter Arrhythmieerkennung tragen dieser Besonderheit Rechnung.

Oberarm oder Handgelenk?

Der Blutdruck lässt sich im Arteriensystem an verschiedenen Stellen bestimmen. Bei der zu Hause praktikabelen indirekten Blutdruckmessung, misst man entweder am Handgelenk, am Oberarm oder am Finger. Bei allen Methoden muss die Manschette bzw. der Klipper in Herzhöhe liegen. Anderenfalls verfälschen hydrostatische Vorgänge die Messwerte derart, dass sie nicht aussagekräftig sind.

Richtiges Messen am Oberarm

Der Oberarm muss frei von Kleidung sein. Der Unterarm ruht entspannt, beinahe gestreckt auf einer festen Unterlage. Die Breite der Manschette ist optimal, wenn sie etwa die Hälfte des Armumfanges beträgt. Die Manschetten handelsüblicher Oberarm-Messgeräte haben in der Regel eine standardisierte Breite von 12 Zentimetern. Ist der Umfang des Oberarms größer, empfiehlt sich die Anschaffung eines Gerätes mit breiterer Manschette. Für Kinder hingegen, sind häufig schmalere Manschetten erforderlich. Entsprechende Spezialmanschetten gibt es in Apotheken und medizinische Fachgeschäften.

Um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen ist zudem das korrekte Anlegen der Manschette ganz wichtig. Als Faustregel gilt, dass der untere Rand der Manschette circa zwei bis drei Zentimeter über der Ellenbeuge liegen muss. Der eigentliche Messbereich, der zugleich der aufblasbare Teil der Manschette ist, befindet sich korrekterweise an der Innenseite des Armes. Der Verschluss liegt demnach außen. Der Schlauch zeigt nach unten, in Richtung Hand. Die Manschette sollte weder zu locker noch zu fest angelegt sein. Sofern noch ein Finger bequem zwischen Haut und Manschette passt, ist alles optimal.

Bei Beachtung aller genannter Hinweise, liefern Blutdruck-Messgeräte mit Oberarmmanschette sehr genau Ergebnisse. Neuerdings gibt es sogar Geräte, die mit der Messung erst beginnen, wenn die Manschette richtig angelegt ist und der Nutzer eine korrekte Armhaltung eingenommen hat.

Stethoskop oder digitale Anzeige?

Bei jedem Oberarmmessgerät ist die aufblasbare Gummimanschette mit einem Manometer verbunden. Nach dem korrekten Anlegen wird so lange Luft in die Manschette gepumpt, bis kein Blut mehr durch den Oberarm fließt. Sobald die Luft abgelassen wird, sinkt in der Manschette der Druck. Ab einem bestimmten Druck wird wieder Blut durch die zusammengedrückte Oberarmarterie gedrückt. Mithilfe eines Stethoskops, das in der Armbeuge auf der Arterie aufsitzt, hört der Arzt die Strömungsgräusche des Blutes ab.

Der erste Wert (systolischer Wert) ist zu hören, wenn sich das Herz zusammenzieht. Der untere Wert markiert das Verschwinden dieses Geräusches in der Phase der Herzerschlaffung. Die Handhabung eines Blutdruckmessgerätes mit Stethoskop bedarf Übung und Erfahrung. Deshalb sind diese Geräte vorzugsweise medizinisch geschultem Personal vorbehalten.

Für den privaten Gebrauch zu Hause sind Geräte mit automatischer Aufblasfunktion und digitaler Anzeige besser geeignet. Sie lassen sich unter Berücksichtigung der Bedienungshinweise problemlos vom Patienten selbst bedienen und unterscheiden sich bezüglich ihrer Genauigkeit kaum von den Geräten mit manueller Pumpe und Stethoskop.

Richtiges Messen am Handgelenk

Handelsübliche Handgelenkmanschetten sind lediglich zwischen 14 und 20 Zentimeter breit. Damit sich die Manschette auf Herzhöhe befindet, muss der Nutzer sein Handgelenk entsprechend lagern. Hier bietet sich ein Tisch an oder man legt sich die Hand auf die Brust.

Blutdruck-Messgeräte fürs Handgelenk sind kleiner und einfacher zu handhaben als Oberarmmanschetten. Die Wahrscheinlichkeit von Messfehlern ist allerdings bedeutend höher. Sie eigenen sich bestenfalls zur Überwachung der Therapie zu Hause oder auf Reisen. Ärzte empfehlen, vor der regelmäßigen Nutzung von Handgelenkmessgeräten zunächst mehrere Vergleichsmessungen am Oberarm in einer Apotheke oder vom Hausarzt durchführen zu lassen.

Für Menschen, die unter Diabetes oder einer Arteriosklerose leiden, sind Handgelenkmanschetten vollkommen ungeeignet, weil möglicherweise die zur Messung wichtigen Arterien nicht mehr optimal durchgängig sind. Auch Herzrhythmusstörungen führen unweigerlich zu groben Messfehlern. Dieser Personengruppe empfehlen Mediziner immer spezielle Geräte mit Oberarmmanschette. Krankenhäuser und Arztpraxen nutzen wegen der genannten Nachteile Blutdruckmeßgeräte fürs Handgelenk gar nicht.

Richtiges Messen am Finger

Blutdruckmessgeräte für den Finger sind extrem klein und leicht. Sie passen somit in jede Jackentasche und bieten sich hervorragend für den mobilen Einsatz an. In aller Regel ist auf dem Gehäuse eine Art Bedienungsanleitung aufgedruckt: Linken Zeigefinger in die Lasche stecken oder Klipp anlegen, Finger inklusive Messeinheit in Herzhöhe halten, Gerät einschalten, Messergebnis abwarten, fertig. Diese Gräte sind ideal für Messungen zwischendurch, beispielsweise beim Sport oder während kritischer Krankheitsphasen, die häufigeres Blutdruckmessen erforderlich machen.

Experten der Deutschen Hochdruckliga empfehlen Fingermessgeräte nicht uneingeschränkt. Sie verweisen darauf, dass bei sehr schlanken oder kalten Fingern die Messungen zu ungenau sind. Auf jeden Fall sind von Zeit zu Zeit Vergleichsmessungen am Oberarm ratsam.

Wichtige Hinweise, die für alle Messmethoden gelten

  • Die Messungen müssen täglich, möglichst immer zur gleichen Tageszeit erfolgen. Bei Ein- oder Umstellung einer medikamentösen Therapie, empfiehlt es sich, mehrmals täglich, beispielsweise morgens, mittags und abends vor dem Essen und vor der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente, zu messen. Sobald die Blutdruckwerte im normalen Bereich liegen und stabil bleiben, darf die Häufigkeit reduziert werden.
  • Der Verzicht auf Kaffee, schwarzen Tee, Alkohol und Nikotin eine Stunde vor Messung ist wichtig.
  • Vor dem Blutdruckmessen muss der Körper zur Ruhe kommen, weshalb sich der Patient etwa fünf Minuten ruhig hinsetzen sollte.
  • Immer im Sitzen messen!
  • Der Arm, an dem die Blutdruckmessung durchgeführt wird, muss immer unbekleidet sein. Bei hochgeschobener Kleidung ist darauf zu achten, dass sie den Arm nicht abschnürt.
  • Während der Messung nicht sprechen, husten oder bewegen.
  • Bitte immer das Ende der Messung (Signalton) sorgfältig abwarten.
  • Sollte eine weitere Messung erforderlich sein, bitte eine Minute warten.
  • Es empfiehlt sich immer, die Messwerte mit allen zugehörigen Informationen zu dokumentieren.
  • Ab und an sind Kontrollmessungen beim Arzt oder Apotheker ratsam.

Die häufigsten Fehler beim Blutdruckmessen

Falscher Messpunkt: Sobald sich der Messpunkt unter der Herzlinie befindet, fallen die gemessenen Werte zu hoch aus. Liegt er hingegen über der Herzlinie, ist das Messergebnis zu niedrig.

Ungeeignete Manschette: Ist die Manschette zu schmal oder liegt sie zu locker am Arm, ermittelt das Gerät zu hohe Werte. Eine zu breite Manschette ergibt einen zu niedrigen Wert. Sofern die Manschette über der Kleidung sitzt, sind die Werte verfälscht und damit nicht brauchbar.

Eile und Hektik: Die Blutdruckmessung sollte immer in einer entspannten Umgebung und in bequemer Sitzhaltung stattfinden. Die Beine dürfen nicht übereinandergeschlagen sein, sondern sollten nebeneinander stehen.

Aufbau einer Blutdrucktabelle

Die Aufzeichnungen sollten folgende Daten enthalten:

  • Datum mit Einteilung in Tageszeiten
  • Uhrzeit
  • Systolischer Wert
  • Diastolischer Wert
  • Bemerkungen

Selbstverständlich kann man alle Angaben in ein Notizheft eintragen. Etwas komfortabler sind jedoch Exceltabellen oder Softwareprogramme, die nach dem Eintragen einer bestimmten Datenmenge eine automatische Auswertung erlauben. Markierungen, herausgehobene Mittelwerte und besonders hohe oder niedrige Werte in Signalfarben ermöglichen einen schnellen Überblick über den Erfolg der Therapie. Wer keinen regelmäßigen Zugang zum PC hat, kann entsprechende Listen auch ausdrucken, per Hand pflegen, nur von Zeit zu Zeit in das Programm übertragen und entsprechend auswerten lassen.

Mittlerweile gibt es auch komfortable Apps für Mobiltelefone, die eine kontinuierliche Blutdrucküberwachung möglich machen. Diese sind häufig mit weiteren interessanten Features verknüpft, die Rückschlüsse von der Höhe des Blutdrucks auf besondere Lebensumstände oder Verhaltensweisen zulassen.


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